Heimatstube Freiheit e.V.

 

 

     

- Renner, Dr. J.G.Fr.: Aus der Geschichte der Stadt Osterode am Harz; Osterode bei August Sorge; 332 S.; 1833;

- Renner, Dr. J.G.Fr.: Aus der Geschichte der Stadt Osterode am Harz; Paul Krösing Osterode; 242; 1926;

- Renner, Dr. J.G.Fr.: Aus der Geschichte der Stadt Osterode am Harz; Verlag der Sorgischen Buchhandlung; 332 S., 100; 1977;
Reprographischer Nachdruck der Erstausgabe Osterode 1833 und Osterode 1834
Diese Neuausgabe vereinigt im Faksimiledruck zwei Werke des Dr. J.G.F. Renner, zu seiner Zeit Konrektor am Progymnasium zu Osterode.
Das erste nennt sich "Historisch-, topographisch-ststistische Nachricht und Notizen von der Stadt Osterode am harz" von 1833. ...
Diese Darstellung scheint in der Bevölkerung auf großes Intresse gestoßen zu sein, denn schon im darauf folgenden Jahr ließ er einen Nachtrag für die Jahre 1833 und 1834 fogen ... Diese Nachträge erhielten den Titel: "Jahrblätter für die Stadt Osterode".

Digitale Ausgabe als Doanload

 

Seite 39-40:

Herzog Albrecht III. ...

Im Jahre 1474 gab der Herzog Albrecht II. der Stadt Osterode das Pivilegium, daß auf der Freiheit vor Osterode Niemand Kaufmannschaft treiben solle, es geschähe denn mit des Raths Wissen und Willen.

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Seite 56:

Herzog Wolfgang ertheilt der Stadt Osterode wichtige Privilegien

Es hat der Herzog Wolfgang unserer Stadt ein Privilegium ertheilt, nah welchem auf dem Amtsdorfe, die Freiheit vor Osterode, kein Weinschank getrieben werden darf. Auch das Privilegium rührt von diesem Herzoge her, nach welchem auf besagter Freiheit keine Bierbrauerei angelegt werden darf.

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Seite 76

Hans von Eisdorf beunruhigt Osterode.

Kurz vor Pfingsten 1627 schickte Hans von Eisdorf (richtiger Hans aus Eisdorf) der Stadt Osterode einen Fehdebrief zu, und am Pfingstmontage ergriffen seine Spießgesellen vor der Stadt Osterode einen Bürger, Namens Andreas Segelcken, und schlugen ihn todt. Zwei Tage hernach kamen sie mit fliegender Fahne wieder vor die Stadt, lagerten sich auf der Freiheit auf einem Hügel, wohin sie aus der Stadt Brot, Bier, Wein lc. holen ließen, welche Lebensmittel sie nicht' geneigt waren, zu bezahlen. Beim Abzuge nahmen sie überdies noch Kühe, Schaafe und Pferde mit sich davon. Die Bürger hierüber mit Recht entrüstet, jagten ihnen nach, nahmen ihnen das geraubte Vieh weg, und machten 1 Schnapphahn, aus Echte gebürtig, zum Gefangenen. ...

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Seite 92

Aufhebung der fürstlichen Regierung in Osterode.

Zur Zeit des Herzogs Ernst August wurde (1686) bei Osterode eine neue Grube, die neue Freiheit genannt, ausgenommen, aber nur einige Jahre betrieben, und dann wieder eingestellt.

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Seite 94, 95:

Wohltätige Verfügung für die Stadt Osterode, in Hinsicht der Handwerker auf der Freiheit.

Nach dem Ableben Georgs I. am 22. Junius 1727, wurde dessen Sohn, Georg II. König von Großbritannien und Kurfürst von Hannover. Dieser erhabene Monarch, welcher alle Eigenschaften eines vorzüglichen Regenten in sich vereinigte, verließ recht oft sein Inselreich, und begab sich in sein hannöveriches Erbland (in den Jahren 1729, 1732, 1735, 1736, 1740, 1741, 1743, 1745, 1748, 1750, 1752, 1755), um sich durch seine Anschauung von dem zu überzeugen, was die Wohlfahrt seiner deutschen Unterthanen am besten befördern könnte. Von diesem trefflichen Regenten, unter dem der Wohlstand des Landes sichtbar gedieh, hat unsere Stadt (Osterode) unter Anderen am 16. Februar 1740 das Privilegium erhalten, nach welchem auf der Freiheit vor Osterode nur 3 Bäcker, 1 Schneidermeister, 5 Nagelschmiede und 3 Kleinbinder wohnen dürfen. Diese Professionisten sind verbunden, die Gilde mit der Stadt zu halten.

Nach dem landesherrlichen Reskripte vom 29. März 1752 darf auf der Freiheit kein  Knochenhauer wohnen. Im Jahre 1827 ließ sich daselbst 1 Knochenhauer mit Konzession der königlichen Landdrostei in Hildesheim nieder, hat aber bisjetzt die Aufnahme in die Knochenhauer Gilde nicht erlangen können.

Der von seinen Untertanen hochverehrte König und Kurfürst Georg II., welcher durch die i. J. 1734 gestiftete und am 17. September 1737 eingeweihte Universität Göttingen sich auch als einen hohen Beförderer der Gelehrsamkeit und der Wissenschaften bewiesen hat, endete am 25. Oktober 1760 sein tatenreiches Leben, und hatte seinen Enkelsohn Georg III., zum Nachfolger.

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Seite 123, 124:

Es werden Truppen aus der Stadt verlegt.

Kaum waren die Franzosen eine Woche in Osterode gewesen, so zeigte sich auf eine unverkennbare Weise die große Armuth vieler Bürger, welche nun magistratsseitig von der Einquartierungslast, frei gesprochen wurden. Die Soldaten und Unteroffiziere verlangten sehr häufig einen Wechsel ihrer Quartiere, hoffend, dadurch ein besseres Logis zu bekommen. Dies geschahe aber nur selten, und so wurde die Unzufriedenheit der Soldaten und die der Bürger immer größer. Der Magistrat bat daher den General dringend, einige Truppen aus der Stadt zu verlegen. Dies, geschahe auch am 13. Oktober, als an welchem Tage die 94. Halbbrigade (etwas über 400 Mann) nach Nordhelm marschirte, und die chasseurs á cheval (100 Mann stark) sich in die Pfarrdörfer Berka, Dume und Hammenstedt begeben mußten. Den Tag darauf, als am 14. Oktober, wurde die 8. Kompagnie der hier gebliebenen 95. Halbbrigabe auf die Freiheit verlegt. Die hiesige Stadt blieb aber dennoch immer mit mehr als 700 Mann bequartiert. Da aber die Zahl der Einquartierung tragenden Bürger mit jedem Tage kleiner wurde; so mußte der Magistrat noch auf eine Verminderung bedacht sein. Er hoffte dies durch ein dem General Werlé zu machendes Geschenk zu bewirken, und zu diesem Zwecke erhielt der Bürgermeister 1500 [ ] in Golde, mit welchen er sich zum General verfügte, ihm vorstellte, daß bei der Armuth und Nahrungslosigkeit der Stadt 700 Mann Einquartierung immer noch zu viel sei, und dann auf`s dringendste bat, diese Zahl noch zu vermindern. Nach dieser gemachten Vorstellung und Bitte empfahl sich der Bürgermeister, indem er auf den Tisch die mit Gold gefüllte Rolle legte, welche nicht zurückgeschickt wurde, und den Erfolg hatte, daß am 20. Oktober die 1. Kompagnie der 95. Halbbrigade, aus 68 Mann bestehend, nach dem Flecken Herzberg verlegt wurde.

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Seite 127, 128:

Oberst Bonnet vermindert die Einquartierung.

Nach dem Abgange des Generals Werlé war hier der Oberst Bonnet als Stadtkommandant die höchste Militärperson. Da derselbe zur Verminderung der Einquartierung nicht ernstlich Anstalt machte; so ging die Meinung des sämmtlichen Magistrats dahin, durch ein Geldgeschenk sich das besondere Wohlwollen des Stadtkommandanten zu erwerben, und dadurch der bedrängten Bürgerschaft einige Erleichterung zu verschaffen. Nach sorgfaltiger Berathung wurde beschlossen, dem Obersten Bonnet 400 [] in Golde, dem Platzmajore aber 100 [] durch den Bürgermeister, es versteht sich, auf eine feine Weise, überreichen zu lassen. Dieser Beschluß wurde ausgeführt; allein das Geldgeschenk wurde nicht angenommen; jedoch den andern Tag ließ sich der Platzmajor bei dem Bürgermeister nach dem Preise der Pferde erkundigen. Man verstand, wohin diese Anfrage ziele, und der Magistrat beschloß, dem Stadtkommandanten, so wie dem Platzmajore ein Reitpferd mit Sattel und Zeug zum Geschenk zu machen.

Mittlerweile zeigte sich der Oberst Bonnet geneigt, einige Truppen aus der Stadt in die um die Stadt sich befindenden, in die Amtsjurisdikzion gehörenden Häuser zu legen. Mit dieser Anordnung war aber das Amt nicht zufrieden; dasselbe wollte nämlich einige Mannschaft von der Freiheit in die bezeichneten Häuser verlegt wissen. Es blieb dem Magistrate nun kein anderes Mittel übrig, als sich an den General Werlé in Nordheim zu wenden. Da auch der Oberst Bonnet zugleich ein Schreiben an den General beilegte, in welchem er die Armuth und Nahrungslosigkeit der Bürger schilderte; so verfügte dieser, daß am 20. Noveber die 3. und 4., Kompagnie in die Pfarrdörser Dorste und Schwiegershausen verlegt wurden. Der Oberst Bonnet erhielt hierauf von Seiten des Magistrats eine schriftliche Danksagung. Am 21. November geschahe eine allgemeine Umquartierung aller Soldaten und Unteroffiziere, und man fand, daß die Zahl derselben, ohne Offiziere, sich auf 326 Mann belief.

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Seite 166:

Ausmarsch und Marschroute nach den Niederlanden

Ein Soldat von der 1. Kompagnie, Namens Ibenthal, von der Freiheit bei Osterode gebürtig, ertrank ebenfalls am 16. Juli beim Baden in der Seine. Der Körper desselben wurde erst am folgenden Tage gefunden.

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Seite 194:

Standpunkt zur besten Übersicht der Stadt und ihrer Umgebung.

Von dem Scheerenberge zieht sich der Harzwald in nördlicher Richtung hinter der Freiheit, einem Arntsdorfe, und am Bremekerthale nach Westen, bis hinter den braunschweigischen Flecken Gittelde, in dessen Nähe sich dem forschenden Auge auf der Kuppel eines hervorragenden Berges die Trümmer der zerstörten Staufenburg zeigen, einst eine der prächtigsten Vesten Niedersachsen's, auf welcher namentlich der sächsische Herzog und nachmalige deutsche Kaiser Heinrich der Finkler, nach genossenem Jagdvergnügen gern weilte, und die bekannte Eva von Trott, Geliebte des Herzogs Heinrich d. J. von Braunschweig viele Iahre in Verborgenheit lebte. An die Staufenburg schließen sich mannichfaltige Berggruppen an, welche westlich und nördlich die Aussicht begrenzen.

 

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Seite 200:

Wochenmärkte

Die Stadt Osterode hat 2 Wochenmarkte, welche am Morgen des Montags und Donnerstags gehalten werden. An den Markttagen wird auf dem Marktplatze eine rothe, kleine Fahne ausgesteckt, und ehe dieselbe nicht eingezogen wird, darf kein Fremder oder Auswärtiger etwas kaufen. Die Einwohner der Freiheit werden den Fremden gleich geachtet. Von Ostern bis Michaelis bleibt am Morgen der beiden Markttage die bemerkte Fahne bis um 9 Uhr ausgesteckt; von Michaelis aber bis Ostern zieht man sie um 10 Uhr ein. Nach Gutbefinden des Polizeisenators kann die Fahne auch früher abgenommen werden, wenn nämlich der Markt mit Verkäufern überfüllt ist. Auf die Wochenmärkte bringen die benachbarten Landleute die Erzeugnisse ihres Ackers, und kaufen dagegen Waaren und Fabrikate ein, wie ihre Bedürfnisse es erheischen.

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Seite 210-211:

Polizeiliche Einrichtungen

Die Reinlichkeit der Straßen, welche einer Stadt so sehr zur Zierde gereicht, bleibt hier keinesweges unbeachtet. Durch die Stadt wird ein Theil des Baches, welcher die Apenke heißt, geleitet, durchweichen die Straßen der Stadt wöchentlich zweimal, Mittwochs und Sonnabends, gereinigt werden. Auf das Aufeisen der Gossen zur Winterszeit wird sorgfältig geachtet. Zu jeder Zeit wird scharf auf Ruhe und Ordnung auf den Straßen gesehen, und die innere Sicherheit der Stadt wird durch die hier liegende königliche Landdragonerbrigade sehr gesichert. Die Nachtwächter, deren 4 sind, und von denen immer 2 und 2 gehen, rufen von 10 Uhr des Abends bis 4 Uhr des Morgens nach jeder Stunde die Zeit aus, und blasen in's Horn, wenn 1 Stunde abgelaufen ist. Der Thurm der Egidienkirche ist ebenfalls von einem besondern Wächter bewohnt. Wenn Feuer ausbricht und der Thurmwächter die Flamme sieht, so ist er verpflichtet, die Sturmglocke zu ziehen. Geschieht es bei Tage, so muß er nach der Gegend hin, wo das Feue» ausgebrochen ist, eine rothe Fahne ausstecken, bei Nachte aber hat er eine Laterne nach der Gegend, wo das Feuer ist, auszuhängen. Wenn ein Feuer in der Stadt und in den beiden Vorstädten ausgebrochen ist, so wird mit der großen Glocke gestürmt; bei einem Feuer aber in den um die Stadt liegenden Gartenhäusern und auf der Freiheit, so wie in den benachbarten Dorfschaften Petershütte, Laßfelde ec., wird zum Stürmen die kleine Glocke gebraucht.

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Seite 243:

Bierbrauerei

... Die Freiheit und die Dorffschaften Petershütte, Laßfelde, Katzenstein und Eisdorf sind verbunden, das benötigte Bier aus dem Brauhause der Stadt Osterode zu nehmen, wofür die Brauerschaft aber jährlich eine gewiße Pacht an das hiesige Amt bezahlen muß.

Übrigens wollen wir hier noch bemerken, daß der Herzog Wolfgang der Stadt Osterode das Privilegium gegeben hat, nach welchem auf de Freiheit vor Osterode keine Bierbrauerei angelegt werden darf.

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Seite 246, 247:

Wollenzeugfabriken

Im Jahre 1831 hatten die Wollenzeugfabriken zusammen 125 Stühle im Gange, und beschäftigten täglich hier und in dem Amtsdorfe, die Freiheit genannt, wenigstens 550 Arbeiter, unter denen sich viele Kinder und junge Leute, besonders junge Mägdchen, befinden. Außer dieser genannten Zahl von Arbeitern finden noch mehre Familien in Lerbach und auf dem Eichsfelde, zusammen gegen 150 Personen, Beschäftigung durch Handspinnerei. Das Arbeitslohn dieser 550 beträgt jährlich mehr als 46,000 [], ein für die Stadt Osterode bedeutender Geldumlauf. ...

1. Gebrüder Dameral.
2. Gräseler und König. '
3. Greve und Uhl.
4. Ludolf Greve.
5. Wilhelm Greve d. Ä.
6. Wilhelm Greve d. J.
7. Johann Friedrich Struve.
8. Wilhelm Struve.
9. Schöttler und Schröder.

Die Herren Schöttler und Schröder wohnen eigentlich nicht in Osterode selbst, sondern in dem vor Osterode sich befindenden Amtsdorfe, die Freiheit genannt. Übrigens ist Herr Schöttler als Maschinenbauer im In- und Auslande rühmlichst bekannt, und seine wesentliche Verbeßerung der Stubenöfen (welche möglichst schnell Wärme geben, dieselbe lange erhalten, gleichmäßig im Zimmer verbreiten und wenig Brennmaterial erfordern) gewinnen immermehr die verdiente Aufmerksamkeit.

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Seite 252:

Kaufmannschaft

Im Jahre 1474 gab der Herzog Albrecht II. der Stadt Osterode das Privilegium, daß auf der Freiheit Niemand Kaufmannschaft treiben solle, es geschähe denn mit des Stadtraths Wissen und Willen.

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Seite 255:

Gilde der Bäcker.

In der Stadt Osterode sind 20 Bäckermeister, und vermöge eines besonderen Privilegiums darf diese Zahl nicht überschritten werden. Das vor der Stadt liegende Amtsdorf, die Freiheit genannt, hat am 16. Februar 1740 das Privilegium erhalten, daß einige begildete Handwerker daselbst ihre Geschäfte treiben können, und namentlich 3 Bäcker.

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Seite 256, 257:

Gilde der Eimermacher.

Ein nicht unwichtiges Gewerbe ist in Osterode das der Eimermacher. Ihre Zahl beläuft sich auf 12 in der Stadt selbst und 3 auf der Freiheit. Sie liefern alljährlich zusammen 16 bis 1800 Schock Eimer. Da das Schock im Durchschnitte, groß und klein, zu 7[] berechnet wird; so betragt der Geldbetrag dafür über 11,000 []. — Das Eisenblech zu den Banden wird bis jetzt nicht vom Harze, sondern aus England bezogen, weil es daselbst wohlfeiler ist. Die dafür alljährlich nach England gehende Summe wird wenigstens auf 4000 [] angeschlagen. Auch der Drath oder das Rundeisen zu den Hängen der Eimer wird aus England bezogen, jährlich für etwa 1000 [].— Das Holz zu den Eimern wird aus der Harzforst bezogen, und muß für die Klafter 6 [] 4 [] Konvenzionsmünze, ohne das Fuhrlohn, bezahlt werden. Ein großer Theil der verfertigten Eimer werden nach Ostfriesland und nach den Hanseestädten Bremen und Hamburg zum Verkauf gefahren. Die Herren Eimermachermeister, welche zur Ausfuhr arbeiten, sind folgende: Jakob Bockelmann, August Enters, Heinrich Holland, Ernst Homann, Heinrich Krohme Senior, Heinrich Krohme Junior, Leopold Krohme's Wittwe, Ernst Mackensen, Georg Mackensen, Heinrich Mackensen, Ludwig Mackensen, Heinrich Später, Philipp Spater, Friedrich Stolze's Wittwe. Sehr zu beklagen ist es, daß wegen der hohen Zölle die Ausführung der Eimer sehr erschwert ist.

Die Eimermacher und die Bötticher (oder Büttner) bilden hier Eine Gilde. Gegenwärtig sind hier 5 Büttner.

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Seite 258:

Gilde der Knochenhauer

Nach einem landesherrlichen Reskripte vom Jahre 1740 darf auf der Freiheit kein Knochenhauer wohnen. Der seit einigen Jahren daselbst wohnende Knochenhauer ist blos konzessionirt, und die Gilde in Osterode hat ihn nicht als Mitglied aufgenommen.

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Seite 259:

Gilde der Leineweber

Die Zahl der Leinwebermeister beläuft sich jetzt auf 50, die 22 auf der Freiheit mit inbegriffen, wo laut der landesherrlichen Verordnung vom 16. Februar 1740 sich so Viele niederlassen können, als ihrer daselbst Nahrung finden. Diese Leinwebermeister arbeiten mit ihren Gesellen, jetzt 20 an der Zahl, für den Bedarf der Bürger und Einwohner der Stadt Osterode; Einige aber von ihnen arbeiten für die Fabriken der Herren Dieckhoff und Recht.

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Seite 259, 260:

Gilde der Nagelschmiedemeister

Die Zahl der Nagelschmiedemeister in Osterode beläuft sich auf 3. Die Nagelschmiedemeister auf der Freiheit, 2 an der Zahl, welche durchs ein Privilegium (vom 16. Februar 1740) daselbst wohnen dürfen, haben sich an die hiesige Gilde angeschlossen. Sie machen alle Sorten von Nägeln, welche hier und in den benachbarten Ortschaften Absatz finden. In den hiesigen Nagelschmieden brennt man Stein- und Büchenkohlen. Bei den Nagelschmiedemeistern versieht immer der älteste Meister das Amt eines Gildemeisters; er wird daher Altmeister genannt, und verwaltet in der Regel sein Amt lebenslänglich.

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Seite 260:

Gilde der Schneider

Im Jahre 1792 befanden sich hier 21 Schneidermeister mit 4 Gesellen; gegenwärtig aber (1832) ist die Zahl der Meister auf 36 gestiegen, und die der Gesellen auf 12 bis 15. Nach der schon angeführten landesherrlichen Verordnung vom 16. Februar 1740 darf auf der Freiheit nur Ein Schneidermeister wohnen.

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Seite 274, 275:

Stiftung der St. Egidien= oder Marktkirche

Die Egidienkirchgemeinde ist theils Stadtgemeinde, theils Landgemeinde. Die Stadtgemeinde begreift innerhalb der Stadtmauern: den unteren Theil des Rollberges (eine Gasse, welche von der Petersilienstraße aus über den Rollberg läuft, ist hier als Grenze anzusehen), das Schild, den Rosenhagen, die Johannisstraße, Jüdenstraße, den Kohl- und Kornmarkt, die Straße am Marienthore, die Straße vom Kornmarkte bis zur Wage, die Petersilien- und Auenstraße, den Hellhof und die Scheffelstraße (auch deren beide letzten Häuser, welche mit einer Seite am Krummenbruche liegen, gehören noch hierher).

Außerhalb der Stadtmauer gehört zur Egidiengemeinde die Johannisvorstadt, die zum Kornmagazin gehörenden Wohnungen, die Gartenhäuser, welche diesseit der Söse, zwischen der Marienvorstadt und der sogenannten Abgunst liegen; ferner alle jenseit der Söse belegenen Gartenhäuser, wie auch die Häuser an der Bleichstelle.
Die Landgemeinde begreift die Freiheit. Oberhalb derselben befindet sich ein Försterhaus. Der jetzige Bewohner desselben, Herr Förster Breiding, hat sich bisher nach Lerbach gehalten, behauptet indessen, daß er sich mit eben demselben Rechte auch zur St. Egidienkirche in Osterode halten dürfe, da er an keine Kirchgemeinde bestimmt gewiesen ist, auch nirgends Vierzeitenopfer und andere bestimmte Parochialabgabeu entrichte. Gleiche Bewandniß hat es auch mit dem Wirthshause zum Breitenbusche, dessen Bewohner sich indessen beständig zur Egidiengemeinde gehalten haben. Es gehört ferner hierher: das Rothehaus, der Scheerenberg, die Eulenburg, die Weiler Riefensbeck und Kammschlacken im Sösethale, nebst einem 1/2 St. diesseit Riefensbeck belegenen Wohnhause, Limbach genannt; dann Laßfelde, Petershütte, Katzen, oder Kattenstein, die Schwarzehütte, die Landwehr bei Badenhausen und der Siechenhof bei der Sösebrücke an der Wagelos.

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Seite 311, 312:

Ölmühlen

Im Stadtgebiete liegen 2 Ölmühlen. Außer, diesen befinden sich um die Stadt herum noch 3, welche in's Amtsgebiet gehören, so wie noch 1 auf der Freiheit vor Osterode. Diese Ölmühlen versorgen nicht nur die Stadt Osterode hinlänglich mit Öl, sondern sie machen auch damit in benachbarte Ortschaften Versendungen.

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Seite 320, 321:

Benachbarte Wergnügungsörter, oder: das Rothehaus, der Breitebusch und die Petershütte.

Die schönen Umgebungen der Stadt Osterode tragen sehr viel zum Vergnügen ihrer Bewohner bei. Je mehr man mit seinen Spaziergangen abwechselt, desto mehr Zerstreuung und Erquickung kann man davon erwarten. Liebhaber einer weiten Aussicht gehen gern nach dem Rothenhause, von wo aus man den bekannten Meißner, im Hessenlande, erblicken kann. Hier vereinigen sich zur Sommerszeit, besonders des Sonntags, viele Einwohner und Bürger aus Osterode, um durch Kegel- und Billiardspiel, durch Tanz und andere Lustbarkeiten sich zu vergnügen. Für kalte und warme Getränke sorgt der Besitzer dieses Wirthshauses, Herr Koch, auf's bestmöglichste.

Auch der Besuch nach dem Brettenbusche reizt Den, der weite, schöne, malerische Aussichten liebt. Die nahe Umgegend des Breitenbusches soll mit verschiedenen Gegenden in der Schweiz viel Ähnlichkeit haben. Dem sei nun wie da wolle, so wird der Naturfreund diese Gegend gewiß nicht ohne Bewunderung verlassen. In den Sommermonaten werden hier oft Scheibenschießen gehalten.

Die schöne Allee, welche von der kleinen Sösebrücke beim Siechenhause nach Petershütte führt, bietet in den heißen Sommertagen den Lustwandelnden einen höchst angenehmen Spazierweg dar. Die erste Hälfte dieser Allee wurde nicht lange nach der Beendigung des siebenjährigen Krieges angelegt; die Anpflanzung der anderen Hälfte aber fällt in's Jahr 1811.

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Seite 329, 330:

Königliches Amt Osterode

Dem Amte Osterode gehört die Mahlmühle beim Kupferhammer, die Rodemühle (Rothemühle) genannt. Sie ist i. J. 1750 massiv erbaut worden. In derselben müssen die Dörfer Laßfelde, Petershütte, Katzenstein, die Freiheit und die sämmtlichen Gartenhäuser um die Stadt Osterode mahlen lassen, und ist folglich eine Zwangsmühle. Die Kalkmühle an der Söse, unterhalb der heine'schen Kalkmühle belegen, gehört zum Amte Osterode. Sie wurde zuerst i. J. 1740 aufgebaut, und ist verpachtet.

Zudem alten Amte Osterode gehörten blos die Dorfschaften Laßfelde, Petershütte, Katzenstein und die Freiheit vor Osterode. Im J.1756 kam Eisdorf, Förste und Nienstedt hinzu, welche Dorfschaften sonst zum Amte Herzberg gehört hatten. Den Beamten in Herzberg wurden jedoch die Sporten von diesen Dorfschaften lebenslang gelassen. Im J. 1800 wurde das Amt Osterode durch das Dorf Schwiegershausen vergrößert, welches bis dahin zum Amte Herzberg gehört hatte, und im Sommer des Jahres 1832 erhielt es noch Dorste, ein bis dahin zum Amte Katlenburg gehörendes Dorf, woselbst sich ein adeliges Gut, das der Familie von Hedemann gehört, befindet.

In den Feldmarken, Wiesen, Angern und Büschen der Dörfer Laßfelde, Katzenstein, Petershütte und Freiheit hat das Amt Osterode privative oder einseitige Jagd, und mit dem Gute des Herrn von Oldershausen in Förste steht ihm die Koppeljagd zu.

Das Amt Osterode besitzt jetzt keine Holzungen. In früheren Zeiten aber soll es ansehnliche Holzungen gehabt haben, welche aber nachgehends den Harzforsten beigelegt worden sind. Die zum Amte gehörenden Dörfer haben, Eisdorf und Dorste ausgenommen, gleichfalls keine Forsten, und müssen das benöthigte Bau- und Brennholz da kaufen, wo sie es bekommen können.

In diesem Amte befinden sich 3 Papiermühlen, nämlich zur Petershütte, in Förste und in Dorste, welche gutes Druck= und Schreibpapier in verschiedenen Sorten liefern. Die älteste von djesen Papiermühlen ist die zur Petershütte, jetzt ein Eigenthum der Herren Gebrüder Andrä. Sie ist 1586, zur Zeit des Herzogs Wolfgang, neu angelegt und 1764 von Grund auf neu gebaut worden.

An der Spitze des königlichen Amtes Osterode steht gegenwärtig (1832) der Herr Oberamtmann und Guelfenritter, Joh. Fr. Kern, und außerdem sind dabei die Herren Assessoren G. Fr. K. von Pufendorf, E. Stölting und B. K. G. Baurschmidt, angestellt. — Der Hausvogt (jetzt Herr J. Fr. Rehren) hat seinen Wohnsitz auf der Freiheit.

Sachverständige, unbefangene Beobachter behaupten, daß im Allgemeinen der Landmann im Amte Osterode seinen Acker mit großer Einsicht und Sorgfalt baue, und zur fleißigen Betreibung des nützlichen Obstbaues, welcher ohne Vernachlässigung des Ackerbaues gar wol bestehen kann, seit einiger Zeit ein recht lobenswerther Trieb bemerkt werde. In Förste ist unter Anordnung und thätiger Mitwirkung des Herrn Amtsassessors Stölting eine schöne Baumschule angelegt worden. Seit einigen Jahren fängt man hier an, zur Bestellung des Ackerbaues auch Kühe zu gebrauchen (was nach der Versicherung Sachverständiger alle Nachahmung verdient); im Allgemeinen jedoch und besonders bei größeren Ökonomen wird die Ackerbestellung mit Pferden betrieben. Tabaksbau findet hier gar nicht statt; die Schaf= und Hornviehzucht ist nicht unwichtig; für Pferdezucht geschieht noch zu wenig; Schweine werden nur zum eigenen Bedarf, nicht, aber zum Verkauf, aufgezogen. Den Flachsbau treibt man. nur so stark, daß er den Aussaat hält man hier den von der Ostsee kommenden Leinsaamen für viel besser, als den einheimischen. Die Garnspinnerei ist hier nicht unbedeutend, und wenn der Landbau ruhet, wird der Weberstuhl in vielen Häusern in Bewegung gesetzt.

Nach der am 1. Julius 1833 stattgefundenen allgemeinen Wohnhäuser- und Volkszählung im Königreiche Hannover, hat es sich ergeben, daß das königliche Amt Osterode *) aus 946 Feuerstellen und 6,374 Seelen bestehet. Davon kommen auf das Pfarrdorf Dorste 171 Feuerstellen und 1143 Seelen; auf das Pfarrdorf Eisdorf 110 Feuerstellen und 811 Seelen; auf das Kirchdorf Förste 197 Feuerstellen und 1207 Seelen, worunter 36 Israeliten; auf das Pfarrdorf Nienstedt 41 Feuerstellen und 261 Seelen; aus Petershütte 28 Feuerstellen und 209 Seelen; auf Katzenstein 27 Feuerstellen und 171 Seelen; auf Laßfelde 65 Feuerstellen und 392 Seelen; auf das Pfarrdorf Schwiegershausen 163 Feuerstellen und 926 Seelen; auf die Freiheit (und was zu ihr um die Stadt gehört) 144 Feuerstellen und 1254 Seelen.

 

 

 

 

 

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