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Walter Tiggeler

  • Created
    Donnerstag, 16. April 2026
  • Created by
    Karlo Vegelahn
  • Categories
    Sonstiges
  • Tags
    Künstler

entstammte einer kinderreichen Familie Als Viertgeborener hatte er einen älteren Bruder und drei jüngere Brüder, dazu zwei ältere Schwestern und eine jüngere. Inwieweit die Geschwister miteinander umgingen ist nicht überliefert worden Eine Familiengemeinschaft hinterläßt aber immer einen prägenden Einfluß. Gemeinschaftliches Teilen - aber auch sich für alle einzusetzen sind Herausforderungen, die Walter Tiggeler zeitlebens praktizierte.

Mit seinem jüngeren Bruder Ewald hat er sich am besten verstanden, sogar mit diesem eine gemeinsame Tischlerwerkstatt in Freiheit, Hauptstraße betrieben.

Walter Tiggeler ist am 11 09 1906 in Freiheit geboren und besuchte die Volksschule in Freiheit von Ostern 1913 bis Ostern 1921. Schon ein Jahr vor der Schulentlassung trat er 1920 in den MTV-Freiheit ein. Er spielte in der Fußballmannschaft und gehörte zur Turnerriege. Walter Tiggeler war knapp 160 cm groß aber ein gewandter Turner, der selbstbewußt auftrat und kleine humorvolle Scherze stets parat hatte.

Durch seinen Vater lernte er die heimatliche Flur kennen Mit ihm durchstreifte er die angrenzenden Waldgebiete des Harzes, sammelte Holz, Pilze, Beeren und konnte Vögel nach ihren Stimmen benennen Diese erlebte Naturverbundenheit prägte sein Wesen, hinzu kam eine Beobachtungsgabe, die in späteren Jahren bei bildhauerischen Arbeiten ausdrucksvoll umgesetzt werden konnte.

Die Mutter, Johanne Tiggeler, geb.Meve, eine willensstarke Person, beeinflußte ihn durch ihre Arbeitshaltung Sie zog die Familie mit 8 Kindern, ohne behördliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, auf. Sie war bescheiden in ihren persönlichen Ansprüchen, versuchte gegensätzliche Meinungen auszugleichen, konnte aber auch resolut durchgreifen, wenn Ungerechtigkeiten sich durchsetzen wollten.

Walter Tiggeler verließ Ostern 1921 die Volksschule und trat die Lehre als Holzbildhauer bei Max Heder, Osterode, an. Wer diesen Beruf vorschlug, oder ob Walter ihn selbst wählte, ist nicht belegt. Es ist die Zeit, in der die Siedlung „Dreilinden“ mit 180 Häusern neu entstand Eine Zeit, die Bauhandwerkern in Osterode gute Berufsmöglichkeiten signalisierte, doch die Inflation schritt schon voran. Als Walter im 2 Lehrjahr stand, brach 1923 die Währung zusammen Während in den Jahren 1920 - 1922 in Osterode noch Vollbeschäftigung vorherrschte (Fa. Anton Piller kam 1919 nach Osterode), mußte bereits im November 1922 eine „Erwerbslosenfürsorge“ eingerichtet werden, die in den nachfolgenden Jahren noch notwendiger wurde. In dieser wirtschaftlich schweren Zeit beendete Walter Tiggeler seine Lehrzeit Nach mündlicher Überlieferung soll seine Lehrzeit etwas verkürzt worden sein, weil er hervorragende Ergebnisse vorlegte. Seine Leistungen deuteten an, dass er „begabte Hände“ und gute theoretische Kenntnisse vorzuweisen hatte. Ob Ewald Ohse, der bekannte Bildhauermeister aus Osterode die gesamte Ausbildung des Lehrlings Walter Tiggeler übernommen hatte, ist durch das Prüfungszeugnis nicht belegt. Das Zeugnis nennt nur den Lehrmeister Max Heder. Ohse muß aber großen Einfluß ausgeübt haben, denn Walter Tiggeler verfaßte einen Nachruf (1950), indem es wörtlich heißt.
„. . .Mein hochverehrter früherer Chef und Lehrmeister, der Holzbildhauer Herr Ewald Ohse “

Als Walter Tiggeler im Juli 1924 ausgelernt hatte (sein Gesellenstück war eine ovale geschnitzte Türfüllung), wurde Tiggeler nicht arbeitslos. Er blieb bis zum 29.11.1924 in seinem Lehrbetrieb Max Heder und wechselte zum 1.12.1924 zur Firma Felix Merkel, Kunstgewerbliche Werkstätten für Holzplastik in Osterode/Harz, Obere Neustadt 26. Nach einem Jahr (24.12.1925) verließ Walter Tiggeler diese Arbeitsstätte. Er war jetzt 19 Jahre alt. Nach einem Zeitungsartikel vom 11.09.1976 (OKA) zu urteilen, ging Walter Tiggeler 1926 auf Wanderschaft. Die Alpenregion war sein Ziel, die er erwanderte und die Eindrücke hinterließ, die später in Skizzen und Schnitzarbeiten von ihm künstlerisch zum Ausdruck gebracht wurden.

Eine amtliche Abmeldung in Osterode (13.10.1926) läßt den Schluß zu, dass Tiggeler als 20jähriger nach Uslar verzog. Sein Arbeitgeber, die ILSE-Werke, produzierten Möbel. Walter Tiggeler wurde in dieser Firma als Bildhauer eingestellt. Er hatte Schmuckelemente auszuarbeiten und unterstand einem Meister. Als Tiggeler nach drei Jahren zum Jahresende 1929 entlassen werden mußte, lag es nicht an seinen Leistungen, sondern es mangelte an Aufträgen Etwa vier Jahre später (April 1934) stellten die ILSE-Werke Walter Tiggeler als Bildhauer wieder ein Als er im November 1937 kündigte, bestätigte man ihm im Zeugnis: „Herr Tiggeler war ein guter Facharbeiter Mit seinen Leistungen und seiner Führung waren wir stets zufrieden.“

Walter Tiggeler verließ auf eigenen Wunsch die ILSE-Werke, ohne eine weitere Arbeitsstelle anzunehmen Inzwischen hatte Walter Tiggeler geheiratet und war beim Fortgang von den ILSE-Werken 31 Jahre alt und Vater von zwei Kindern (Friedlinde und Jürgen). Von Uslar zog die Familie nach Freiheit, Straße der SA Nr.94. Vermutlich wollte er nun selbständig arbeiten, denn ein Briefwechsel vom Januar 1938 läßt erkennen, dass er für die Kunstmöbelwerke Albin May in Zeulenroda (Thüringen) Schnitzarbeiten lieferte. In einem weiteren Schreiben vom 12. Februar 1938 wurde ihm eine Anstellung in Zeulenroda angeboten. Der Kriegsbeginn (1.9.1938) mag die Lebensgestaltung stark beeinflußt haben, denn von 1939 bis 1945 arbeitete Walter Tiggeler als Maschineneinrichter in dem Rüstungsbetrieb OIGEE in Freiheit. Die Familie vergrößerte sich um drei weitere Kinder (Walter, Klaus und Karin).

Nach dem Krieg entschloß sich Walter Tiggeler mit seinem Bruder Ewald gemeinsam eine Werkstatt zu fuhren. Die Handwerkskarte der Handwerkskammer Hildesheim dokumentiert, 7 8.1945 : Walter Tiggeler, Mitinhaber eines Tischlerei- u. Holzbildhauer-Betriebes. Osterode/Harz (Herzbergerstraße 6). Der beschwerliche Neuanfang nach dem Krieg wurde durch den Wiederaufbau nach der Währungsreform (1948) schnell überwunden, doch trübte ein schwerer Verkehrsunfall 1959 das Familienleben. Die Söhne Walter (21 Jahre) und Klaus (19 Jahre) verunglückten tödlich mit einem Motorrad. Diesen schweren Schicksalsschlag konnte der Vater kaum überwinden, zumal Walter das Talent des Vaters (Zeichnen) geerbt zu haben schien.

In der Holzbildhauerei und Möbeltischlerei Tiggeler wurden hervorragende Produkte gefertigt, wie ein Foto von der Ausstellung des Kreises am 10.-19.Juli belegt. Tische mit Schachbretteinlagen, Truhen, Teller, Buchstützen, Kerzenhalter, Schalen und Figuren boten ein vielfältiges Sortiment. Manche der Arbeiten wurde unter Wert verkauft, sei es, dass in den 50-ger Jahren der Verdienst noch relativ gering ausfiel, sei es, dass Walter Tiggeler seine Arbeit nicht entsprechend bewertete. Mit wachsender Anerkennung seiner Arbeiten kam erst später das Bewußtsein, alle erstellten Holzschnitzereien mit WT zu signieren. Der genaue Zeitpunkt dieser selbstbewußten Einstellung konnte noch nicht ermittelt werden. Diesbezüglich nimmt die Heimatstube Freiheit entsprechende Hinweise jederzeit entgegen.

Als selbständiger Handwerker schaffte er bis 1969 gemeinsam mit seinem Bruder Ewald in der Möbeltischlerei, Freiheit, Hauptstraße 20. Anschließend, mit 63 Jahren, arbeitete er in der Fa. Anton Piller in der Fräserei und übte seinen gelernten Beruf des Holzbildhauers nur noch als Hobby aus. Seine zahlreichen Werke sind leider nicht vollständig dokumentiert, doch die bisher bekannt gewordenen Arbeiten sind in einer Fotomappe erfaßt und können in der Heimatstube Freiheit eingesehen werden. Vom schlichten verzierten Waldwegschild über markante Gebäude der Stadt Osterode auf dekorativen Tafeln bis zu treffenden Ausdrucksformen freilebender Tiere reicht die Bandbreite seiner Gestaltungskraft. Auch Charakterköpfe und Personen der Kirchengeschichte z.B. den hl.Jacobus (Altenheim St.Jacobi in Osterode) wurden von Walter Tiggeler ausdrucksvoll in Holz geschnitzt. Diese Arbeiten füllten sein Leben auch nach dem Tod seiner Frau, Helene Tiggeler, geb.Köhler (1985) aus, denn in der Tischler-Werkstatt Wedemeier-Waßmann im Gipsmühlenweg fand er bereitwillige Unterstützung und konnte bis zu seinem Tod im Mai 1994 kreativ arbeiten.
Albrecht Schütze (Nov.2001)

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