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Walter Tiggeler

entstammte einer kinderreichen Familie Als Viertgeborener hatte er einen älteren Bruder und drei jüngere Brüder, dazu zwei ältere Schwestern und eine jüngere. Inwieweit die Geschwister miteinander umgingen ist nicht überliefert worden Eine Familiengemeinschaft hinterläßt aber immer einen prägenden Einfluß. Gemeinschaftliches Teilen - aber auch sich für alle einzusetzen sind Herausforderungen, die Walter Tiggeler zeitlebens praktizierte.

Mit seinem jüngeren Bruder Ewald hat er sich am besten verstanden, sogar mit diesem eine gemeinsame Tischlerwerkstatt in Freiheit, Hauptstraße betrieben.

Walter Tiggeler ist am 11 09 1906 in Freiheit geboren und besuchte die Volksschule in Freiheit von Ostern 1913 bis Ostern 1921. Schon ein Jahr vor der Schulentlassung trat er 1920 in den MTV-Freiheit ein. Er spielte in der Fußballmannschaft und gehörte zur Turnerriege. Walter Tiggeler war knapp 160 cm groß aber ein gewandter Turner, der selbstbewußt auftrat und kleine humorvolle Scherze stets parat hatte.

Durch seinen Vater lernte er die heimatliche Flur kennen Mit ihm durchstreifte er die angrenzenden Waldgebiete des Harzes, sammelte Holz, Pilze, Beeren und konnte Vögel nach ihren Stimmen benennen Diese erlebte Naturverbundenheit prägte sein Wesen, hinzu kam eine Beobachtungsgabe, die in späteren Jahren bei bildhauerischen Arbeiten ausdrucksvoll umgesetzt werden konnte.

Die Mutter, Johanne Tiggeler, geb.Meve, eine willensstarke Person, beeinflußte ihn durch ihre Arbeitshaltung Sie zog die Familie mit 8 Kindern, ohne behördliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, auf. Sie war bescheiden in ihren persönlichen Ansprüchen, versuchte gegensätzliche Meinungen auszugleichen, konnte aber auch resolut durchgreifen, wenn Ungerechtigkeiten sich durchsetzen wollten.

Walter Tiggeler verließ Ostern 1921 die Volksschule und trat die Lehre als Holzbildhauer bei Max Heder, Osterode, an. Wer diesen Beruf vorschlug, oder ob Walter ihn selbst wählte, ist nicht belegt. Es ist die Zeit, in der die Siedlung „Dreilinden“ mit 180 Häusern neu entstand Eine Zeit, die Bauhandwerkern in Osterode gute Berufsmöglichkeiten signalisierte, doch die Inflation schritt schon voran. Als Walter im 2 Lehrjahr stand, brach 1923 die Währung zusammen Während in den Jahren 1920 - 1922 in Osterode noch Vollbeschäftigung vorherrschte (Fa. Anton Piller kam 1919 nach Osterode), mußte bereits im November 1922 eine „Erwerbslosenfürsorge“ eingerichtet werden, die in den nachfolgenden Jahren noch notwendiger wurde. In dieser wirtschaftlich schweren Zeit beendete Walter Tiggeler seine Lehrzeit Nach mündlicher Überlieferung soll seine Lehrzeit etwas verkürzt worden sein, weil er hervorragende Ergebnisse vorlegte. Seine Leistungen deuteten an, dass er „begabte Hände“ und gute theoretische Kenntnisse vorzuweisen hatte. Ob Ewald Ohse, der bekannte Bildhauermeister aus Osterode die gesamte Ausbildung des Lehrlings Walter Tiggeler übernommen hatte, ist durch das Prüfungszeugnis nicht belegt. Das Zeugnis nennt nur den Lehrmeister Max Heder. Ohse muß aber großen Einfluß ausgeübt haben, denn Walter Tiggeler verfaßte einen Nachruf (1950), indem es wörtlich heißt.
„. . .Mein hochverehrter früherer Chef und Lehrmeister, der Holzbildhauer Herr Ewald Ohse “

Als Walter Tiggeler im Juli 1924 ausgelernt hatte (sein Gesellenstück war eine ovale geschnitzte Türfüllung), wurde Tiggeler nicht arbeitslos. Er blieb bis zum 29.11.1924 in seinem Lehrbetrieb Max Heder und wechselte zum 1.12.1924 zur Firma Felix Merkel, Kunstgewerbliche Werkstätten für Holzplastik in Osterode/Harz, Obere Neustadt 26. Nach einem Jahr (24.12.1925) verließ Walter Tiggeler diese Arbeitsstätte. Er war jetzt 19 Jahre alt. Nach einem Zeitungsartikel vom 11.09.1976 (OKA) zu urteilen, ging Walter Tiggeler 1926 auf Wanderschaft. Die Alpenregion war sein Ziel, die er erwanderte und die Eindrücke hinterließ, die später in Skizzen und Schnitzarbeiten von ihm künstlerisch zum Ausdruck gebracht wurden.

Eine amtliche Abmeldung in Osterode (13.10.1926) läßt den Schluß zu, dass Tiggeler als 20jähriger nach Uslar verzog. Sein Arbeitgeber, die ILSE-Werke, produzierten Möbel. Walter Tiggeler wurde in dieser Firma als Bildhauer eingestellt. Er hatte Schmuckelemente auszuarbeiten und unterstand einem Meister. Als Tiggeler nach drei Jahren zum Jahresende 1929 entlassen werden mußte, lag es nicht an seinen Leistungen, sondern es mangelte an Aufträgen Etwa vier Jahre später (April 1934) stellten die ILSE-Werke Walter Tiggeler als Bildhauer wieder ein Als er im November 1937 kündigte, bestätigte man ihm im Zeugnis: „Herr Tiggeler war ein guter Facharbeiter Mit seinen Leistungen und seiner Führung waren wir stets zufrieden.“

Walter Tiggeler verließ auf eigenen Wunsch die ILSE-Werke, ohne eine weitere Arbeitsstelle anzunehmen Inzwischen hatte Walter Tiggeler geheiratet und war beim Fortgang von den ILSE-Werken 31 Jahre alt und Vater von zwei Kindern (Friedlinde und Jürgen). Von Uslar zog die Familie nach Freiheit, Straße der SA Nr.94. Vermutlich wollte er nun selbständig arbeiten, denn ein Briefwechsel vom Januar 1938 läßt erkennen, dass er für die Kunstmöbelwerke Albin May in Zeulenroda (Thüringen) Schnitzarbeiten lieferte. In einem weiteren Schreiben vom 12. Februar 1938 wurde ihm eine Anstellung in Zeulenroda angeboten. Der Kriegsbeginn (1.9.1938) mag die Lebensgestaltung stark beeinflußt haben, denn von 1939 bis 1945 arbeitete Walter Tiggeler als Maschineneinrichter in dem Rüstungsbetrieb OIGEE in Freiheit. Die Familie vergrößerte sich um drei weitere Kinder (Walter, Klaus und Karin).

Nach dem Krieg entschloß sich Walter Tiggeler mit seinem Bruder Ewald gemeinsam eine Werkstatt zu fuhren. Die Handwerkskarte der Handwerkskammer Hildesheim dokumentiert, 7 8.1945 : Walter Tiggeler, Mitinhaber eines Tischlerei- u. Holzbildhauer-Betriebes. Osterode/Harz (Herzbergerstraße 6). Der beschwerliche Neuanfang nach dem Krieg wurde durch den Wiederaufbau nach der Währungsreform (1948) schnell überwunden, doch trübte ein schwerer Verkehrsunfall 1959 das Familienleben. Die Söhne Walter (21 Jahre) und Klaus (19 Jahre) verunglückten tödlich mit einem Motorrad. Diesen schweren Schicksalsschlag konnte der Vater kaum überwinden, zumal Walter das Talent des Vaters (Zeichnen) geerbt zu haben schien.

In der Holzbildhauerei und Möbeltischlerei Tiggeler wurden hervorragende Produkte gefertigt, wie ein Foto von der Ausstellung des Kreises am 10.-19.Juli belegt. Tische mit Schachbretteinlagen, Truhen, Teller, Buchstützen, Kerzenhalter, Schalen und Figuren boten ein vielfältiges Sortiment. Manche der Arbeiten wurde unter Wert verkauft, sei es, dass in den 50-ger Jahren der Verdienst noch relativ gering ausfiel, sei es, dass Walter Tiggeler seine Arbeit nicht entsprechend bewertete. Mit wachsender Anerkennung seiner Arbeiten kam erst später das Bewußtsein, alle erstellten Holzschnitzereien mit WT zu signieren. Der genaue Zeitpunkt dieser selbstbewußten Einstellung konnte noch nicht ermittelt werden. Diesbezüglich nimmt die Heimatstube Freiheit entsprechende Hinweise jederzeit entgegen.

Als selbständiger Handwerker schaffte er bis 1969 gemeinsam mit seinem Bruder Ewald in der Möbeltischlerei, Freiheit, Hauptstraße 20. Anschließend, mit 63 Jahren, arbeitete er in der Fa. Anton Piller in der Fräserei und übte seinen gelernten Beruf des Holzbildhauers nur noch als Hobby aus. Seine zahlreichen Werke sind leider nicht vollständig dokumentiert, doch die bisher bekannt gewordenen Arbeiten sind in einer Fotomappe erfaßt und können in der Heimatstube Freiheit eingesehen werden. Vom schlichten verzierten Waldwegschild über markante Gebäude der Stadt Osterode auf dekorativen Tafeln bis zu treffenden Ausdrucksformen freilebender Tiere reicht die Bandbreite seiner Gestaltungskraft. Auch Charakterköpfe und Personen der Kirchengeschichte z.B. den hl.Jacobus (Altenheim St.Jacobi in Osterode) wurden von Walter Tiggeler ausdrucksvoll in Holz geschnitzt. Diese Arbeiten füllten sein Leben auch nach dem Tod seiner Frau, Helene Tiggeler, geb.Köhler (1985) aus, denn in der Tischler-Werkstatt Wedemeier-Waßmann im Gipsmühlenweg fand er bereitwillige Unterstützung und konnte bis zu seinem Tod im Mai 1994 kreativ arbeiten.
Albrecht Schütze (Nov.2001)

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„Hampes Linde“

Osteroder Kreis=Anzeiger vom 24.09.1992:


Gedenkstein wurde aufgestellt

FREIHEIT. Daß es eine Hampenslinde gibt, werden möglicherweise noch einige Freiheiter und Lerbacher wissen. Doch daß jetzt auch ein passender Stein auf die vom Blitz zerfurchte Linde im Bremketal hinweist, haben wohl nur die mitbekommen, die am Freitag anläßlich der Einweihung des Gedenksteines dabeiwaren.

Spender Manfred Keimburg weiß von Hampe (oder eben Hampens, wie es in Freiheiter Mundart heißt) auch nur, daß es sich bei ihm um einen Förster gehandlt haben muß. Das Freiheiter Ortsratsmitglied wollte ursrpünglich eine Linde spenden, doch schnell machte man ihn darauf aufmerksam, daß bereits einige dieser Gattung in der Nähe des vom Blitz gezeichneten Stumpfes emporsprossen. Der Leiter des städtischen Gartenbauamtes brachte Keimburg dann auf die Idee mit dem Stein. Freiheits Ortsbürgermeister Eberhard Siegler lobte das „uneigennützige Engagement" seines Ortsratskollegen Keimburg.

Neben der Linde steht jetzt ein Hampes-Gedenkstein. Foto: Walliser

 

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Hoch drob n auf dem Berg ...

Osteroder Kreis=Anzeiger vom 17.Juli 1950

Feierliche Einweihung des Festzeltes

FREIHEIT. Seit alters her war es Sitte, daß die Einwohner unserer Gemeinde auf die grünen Höhen stiegen, die das Freiheiter Tal zu beiden Seiten einrahmen, um dort, fem vom Alltag, ihre Feste zu begehen.

An der Alten Harzstraße entstand vor Jahren ein geräumiges massives Festzelt, das zunächst die Schützengesellschaft benutzte, später von der Gemeinde übernommen wurde. Während des letzten Krieges richtete man im Saal des Zeltes ein Gefangenen- und Arbeitslager ein. Hatte schon diese zweckfremde Benutzung nicht viel von der einstigen Schönheit des Gebäudes übrig gelassen, so war das Zeit, nachdem es DP's als Schule und Lager gedient hatte, vollständig verwahrlost. In diesem Zustand übernahm es die Gemeinde wieder nach der endgültigen Freigabe durch die Besatzungsmacht.

Mit aller Energie ist man nun ans Werk gegangen und hat aus einer Ruine einen neuen gemeindeeigenen Festsaal geschaffen, der — wie Landrat Hohmann auf der Eröffnungfeier am Sonnabend ausführte — durchaus mit den besten Häusern der Kreisstadt konkurrieren kann.

In Scharen waren die Freiheiter erschienen, um in dem in festlichem Blumenschmuck prangenden, geschmackvoll hergerichteten Saal an den Eröffnungsfeierlichkeiten teilzunehmen. Nach der Begrüßung des Landrats, der Vereine und der zahlreichen Gäste durch Gemeindedirektor Wedekind, rollte das bunte Programm des Abends ab, das in der Hauptsache von Gesangsvorträgen des Männergesangvereins Freiheit und Uebungen des Freiheiter Turnverems bestritten wurde. Als besondere Ueberraschung besuchten Regierungs-Vizepräsident Bolte-Hildesheim, der zum „Tag des Harzgastes" in Osterode weilte, und Oberkreisdirektor Schröder im Verlauf des Abends die Veranstaltung, um im ausgelassenen Trubel der festfrohen Freiheiter eine gemütliche Stunde zu verleben. Die flotten Tanzweisen der Kapelle Sietas leiteten zum inoffiziellen Teil des Abends über, der selbst mit dem eisten Hahnenschrei noch nicht seiften Abschluß fand.

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Die kleine Bimmelbahn

zum Film

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1.04.1840 - Intelligenzblatt der Stadt Osterode

Anzeige

Einem geehrten hiesigen und auswärtigen Publicum mache ich hiemit die ergebene Anzeige, daß ich neben meinem Maschinenbau jeder Art, auch mit einer Lohn=Wollgarn=Spinnerei begonnen habe und werden auch die kleinsten Quantitäten Wolle nach Wunsch, sofort und sehr billig verfertigt Bitte um recht viel Beschäftigung.
Freiheit vor Osterode, den 27. März 1840.
W.Bauer, Maschinenbauer

 

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Pferdewürstchen schwammen im Lerbach

Eine Erinnerung an Silvester 1954 - Von Rainer Kutscher

Lerbach (ku). In den Lerbacher Heimatblättern Heft 10 haben einige Autoren über Lausbubengeschichten und Jugenderinnerungen geschrieben (der HK berichtete). Werner Wiegand erinnert sich an eine Begebenheit vor 44 Jahren, über die viele Leser schmunzeln mußten. Was ist damals passiert?

Am Silvesterabend 1954 sollte es in der großen Familie Wiegand in Lerbach mit 14 Kindern zum Abendessen die beliebten gebratenen Pferdewürstchen geben. Doch diese schwammen im Lerbach in der Ortschaft Freiheit beim Eichental davon und sind vielleicht über die Söse, Leine und Weser in die Nordsee gelandet.

Werner Wiegand (genannt Hussa) berichtet warum:

Im Jahre 1954 war ich gerade 15 Jahre alt und fuhr zu Silvester zu meinen Großeltern nach Osterode. Ich solle Pferdewürstchen aus der Roßschlächterei Borchers mitbringen. Wir wollten am Abend mit allen 14 Geschwistern Silvester feiern.

Bei meinen Großeltern war ich gerne. Mit dem Fahrrad, das meinen Brüdern Fritz und Alfred gehörte, fuhr ich mit der Aktentasche auf dem Gepäckträger los.

In Osterode angekommen, gab es erst einmal zu essen und zu trinken. Dann ging ich mit Opa in den Pferdestall und half ihm beim Häckseln. Auch die Eier, die die Hühner versteckt hatten, suchte ich zusammen. So ging der Tag schnell vorüber und ich machte mich, nachdem ich die Würstchen gekauft hatte, auf den Weg nach Hause. Oma sagte noch, als ich losradelte: „Junge, paß auf, daß nicht im alten Jahr noch etwas passiert!"

Mein Weg führte über den Judenfriedhof, zum Südbahnhof - Landkreis - Bleichestelle bis Ortsausgang Freiheit. Dort fuhr ich links über die Straße auf einen Gehweg, der etwa ein Meter breit war. Kaum war ich drauf, rutschte ich mit dem Fahrradweg. Es hatte gefroren. Außerdem waren tiefe Eindrücke von Pferdefuhrwerken in dem Weg. Ich rutschte also weg und fiel in einen Kolk, in den daneben fließenden Lerbach. Da lag ich nun mit de Fahrrad und den Pferdewürstchen im kalten Wasser. Als der erste Schreck überwunden war, merkte ich, daß die Tasche mit dem Würstchen weg war und die schönen Zwiebeln von der Oma. Auch die Kartengrüße für meine verheirateten Geschwister fehlten.

Zum Glück kam ein Ehepaar des Weges, das mich in der Flut herumlaufen sah. Sie zogen erst das Fahrrad mit einem Spazierstock hoch und dann mich. Aber kaum war ich oben, da sprang ich wieder in den Kolk, um die Aktentasche zu suchen. Ich stakte durch die Flut unter dem Gewölbe durch, bis zum Wehr vor der alten Hermacht (Fabrik) und zurück. Aber die Aktentasche war wohl abgetrieben. Wieder zog mich das Ehepaar aus der Flut. Ich bedankte mich und fuhr in Richtung Lerbach. Beim Karlsteich sprang mir die Kette ab. Nun geriet ich in Panik. Wenn ich ohne Würstchen nach Hause kam, was werden Vater, Mutter und die Geschwister wohl sagen?

Prompt machte ich kehrt und fuhr wieder nach Osterode zum Krummen Bruch. In der Pferdeschlachterei Borchers wurde gerade der Laden gereinigt, es war nun schon 18 Uhr geworden. Mit leiser Stimme fragte ich an, ob ich noch einmal Pferdewürstchen bekommen könnte. Geld hatte ich ja noch von Oma. Also kaufte ich die Würstchen, packte sie unter den Arm und radelte in Richtung Lerbach. Ich fuhr so schnell ich konnte, weil ich ja pünktlich zum Abendessen zu Hause sein mußte. Je näher ich dem Elternhaus (Hexenzipfel Nr. 5) kam, desto langsamer wurde ich. Mit Angst im Nacken und weinend betrat ich die Küche.

Vater wurde wütend, aber zum Glück war Frau Lütje (Frau und Herr Lütje fuhren damals herum und verkauften Textilien) da und rechnete mit Mutter ab. Das war mein Glück, sonst hätte ich wohl eine Abreibung bekommen. Alle Würstchen wurden gebraten und schmeckten sehr gut.

Um 24 Uhr sollte ich dann mit Fritz Schönfelder (Schlüß) das neue Jahr im Glockenturm einläuten. Vater mußte an dem Abend im Hotel „Glück Auf kellnerieren. Um 22 Uhr sollte ich dort sein. Ich badete mich vorher in der Zinkwanne und machte mich, als es Zeit war, auf den Weg. Im „Glück Auf angekommen, hörte ich, wie die Gäste lachten. Ich wußte auch gleich warum. Über mich. Denn Vater hatte schon erzählt, was mir passiert war.

Punkt 24 Uhr läutete Fritz mit der großen und ich mit der kleinen Glocke das neue Jahr ein. Am Neujahrs nachmittag war dann alles wieder im Lot. Gelacht haben wir noch oft über die Geschichte.

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Der Lerbach, Existenzgrundlage für das Dorf Freiheit

HarzKurier 22.01.2000 (36)
Zur Siedlungsgeschichte „der Freiheit"

von Albrecht Schütze

Sanierungsarbeiten 1976 im Abschnitt Hauptstraße in der Nähe der Schule.  Foto: H. Becker, Bad Sachsa

Osterode. Die Entstehung des Dorfes Freiheit wird vorwiegend im Zusammenhang mit der Burg gesehen. Doch bevor diese gebaut wurde, gab es sicherlich schon eine größere Ansiedlung an geschützter Uferlage des Gebirgsbaches „Lerbach", der auch von den Freiheitern als „Flut" bezeichnet wird. Wasser ist zum Leben notwendig, für Pflanzen sowohl Tiere als auch Menschen - oder wie man kurz sagt: „Wo Wasser ist, ist auch Leben!"

Die Siedlungsgeschichte belegt, dass „verlässliche Wasserstellen" (die zu allen Jahreszeiten nutzbar bleiben) begehrte Standorte für Tiere und Menschen waren. Die Senke zwischen Butterberg und Röddenberg bot nicht nur Schutz gegen Unbilden des Wetters, sondern sicherte auch die Lebensgrundlage durch den nie versiegenden Wasserlauf. Der Lerbach führte Wassermassen, die im Vergleich zur Bremke und Söse in der Regel berechenbar bleiben. Erst als die Bewaldung mehr und mehr zurückgedrängt wurde, schwoll der Lerbach manchmal derart an, dass er auch Angst und Schrecken verbreitete.

Die Bezeichnimg „Flut" geht sicherlich auf solche Ereignisse zurück, wie in einer Chronik nachzulesen ist: „Am 27. Juni 1861 war ein wolkenbruchartiger Regen, welcher zwei Tage und Nächte andauerte. Infolgedessen schwoll der Lerbach so hoch an, dass er den ganzen Ort überschwemmte. Bäume trieben herab, legten sich quer vor die Gebäude, so dass mehrere Ställe vollständig weggerissen wurden. Von Freiheit ab floss das Wasser durch die Johannisvorstadt, wo es bei den niedrig gelegenen Gebäuden in die Fenster des unteren Stockwerkes
floss".

Der Lerbach lieferte den Siedlern das begehrte Wasser zur Existenzgründung, für die Garten- und Feldarbeit sowie Tierhaltung. Nach einem Foto von 1905 zu urteilen, wurde das Lerbachwasser auch in einem offenen „Holzgerenne" abgezweigt, um die Haushaltungen mit Gebrauchswasser zu versorgen, während der natürliche Bachverkauf mit Wasserrädern für gewerbliche Betriebe versehen wurde oder um in anderer Weise betriebswirtschaftlich genutzt zu werden. Nicht nur die handwerklichen Arbeitsstätten nutzten die Wasserkraft, auch die aufkommende Industrie sah in dem ganzjährig fließenden Lerbach eine zuverlässige Energiequelle, die den Aufschwung der Textilindustrie ab 1830 sehr begünstigte.

Der offene Bachverlauf war bald an beiden Uferseiten mit Häusern besetzt und streckenweise überbaut worden. Von Jahr zu Jahr verschwand der Bach aus dem Blickfeld der Einwohner, bis er schließlich ganz verrohrt unter der Straßendecke floss.

1955 musste die Straßenbrücke über den Lerbach erneuert und verstärkt werden, denn durch den Beitritt der BRD zur Nato und des Atlantikpakts war die Stabiliät für schwere Panzerfahrzeuge nicht mehr gegeben. 1976 wurde der nachfolgende Bachabschnitt vor dem Schulgebäude saniert.

Mit der Bau der Wasserleitung (1892) und der Stilliegung aller öffentlichen Brunnen (1934) in Freiheit sowie der totalen Verrohrung des Bachverlaufs trat eine Bewusstseinsveränderung ein. Die Bedeutung des Lerbachs für die Ortsgeschichte Freiheit geriet in Vergessenheit. Der Name Freiheit steht berechtigt im engen Zusammenhang mit der Burg -der Lerbach sicherte die Existenzvoraussetzung für diesen Ort und seine Bewohner.

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